Golf aufwärmen: Übungen vor der Runde für 5, 15 oder 30 Minuten
Kurz gesagt
Wärm dich in Bewegung auf, nicht mit langem Dehnen: In Studien brachte dynamisches Aufwärmen mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit, statisches Dehnen nicht. Mit 5 Minuten: Mobilität und Probeschwünge. Mit 15 oder 30 kommen Bälle vom Wedge zum Driver dazu, zuletzt der Schläger fürs erste Tee, dann lange Putts fürs Tempo.
Als Fradkin und Kollegen 1.040 Amateurgolfer auf zwei Plätzen und einer Driving Range beobachteten, wärmten sich nur 54 % überhaupt auf, und meist bestand das Aufwärmen aus ein paar Probeschwüngen am Abschlag. Die Übungen hier dauern ein paar Minuten länger. Es gibt sie in einer Version für 5, 15 oder 30 Minuten, je nachdem, wann du im Club ankommst.
Das hier sind allgemeine Hinweise für gesunde Golfer, keine medizinische Beratung. Wenn du Schmerzen, eine Verletzung oder eine Erkrankung hast, sprich mit einem Arzt oder Physiotherapeuten, bevor du dein Training änderst.
Bewegen statt dehnen
In einer kleinen Studie von 2004 mit 20 männlichen Golfern machte die Hälfte fünf Wochen lang an fünf Tagen pro Woche ein golfspezifisches Aufwärmprogramm vor dem Spielen. Ihre Schlägerkopfgeschwindigkeit stieg über die sieben Testwochen um 24 %, während sich die Vergleichsgruppe ohne das Programm kaum veränderte. In einer Studie von 2009 schwangen Golfer ein Eisen 5 nach dynamischem Dehnen um etwa 1,9 Meter pro Sekunde (knapp 7 km/h) schneller als nach statischem Dehnen. Auch die Ballgeschwindigkeit war höher, und sie trafen ihn näher an der Schlagflächenmitte. In einer dritten Studie aus demselben Jahr dehnten sich Golfer 20 Minuten passiv statisch, bevor sie mit dem Driver schlugen. Schlägerkopfgeschwindigkeit, Weite, Genauigkeit und saubere Treffer gingen alle zurück, und eine Stunde später war der Rückgang noch da, wenn auch kleiner.
Eine Übersichtsarbeit von 2019 über 23 Studien zeichnete dasselbe Bild: Dynamisches Aufwärmen half eher, statisches Dehnen schnitt schlechter ab als die anderen Methoden und hat der Leistung womöglich geschadet. Zu Verletzungen waren die Studien uneinheitlich, deshalb kann niemand versprechen, dass Aufwärmen einer Verletzung vorbeugt. Es bringt dich aber in Bewegung, bevor du mit vollem Tempo schwingst.
Halt also keine Dehnung 30 Sekunden lang. Bleib bei jeder Übung in Bewegung und fang klein an.
Die Mobilitätsübungen
Sie dauern etwa vier Minuten, und du brauchst nur einen Schläger. Mach sie in dieser Reihenfolge und anfangs locker.
| Übung | So geht’s | Wiederholungen |
|---|---|---|
| Marschieren mit Armkreisen | Auf der Stelle marschieren und die Arme in großen Kreisen nach vorn schwingen, dann nach hinten | 30 Sekunden |
| Beinschwingen | Am Schläger oder am Auto festhalten und ein Bein nach vorn und hinten schwingen, dann zur Seite | Je 10 pro Richtung und Bein |
| Ausfallschritt mit Rotation | In einen Ausfallschritt gehen, den Oberkörper zum vorderen Knie drehen, dann weitergehen | 5 pro Bein |
| Hüftkreisen | Hände in die Hüften, Füße schulterbreit, langsame große Kreise | 8 pro Richtung |
| Drehen mit Schläger auf den Schultern | Schläger quer über den oberen Rücken, in die Ansprechhaltung gehen und in Rück- und Durchschwung drehen | 10 pro Seite |
| Hüftbeuge mit Schläger | Schläger längs am Rücken halten, aus der Hüfte in die Ansprechhaltung beugen, wieder aufrichten | 10 |
| Aufbauende Schwünge | Zwei Schläger zusammen oder einen am Kopf greifen: hüfthohe Schwünge, dann schulterhohe, dann volle | Je 5 |
Wenn etwas zwickt, mach die Bewegung kleiner. Hilft das nicht, lass sie weg.
Ein Aufwärmprogramm für jede Zeit
5 Minuten: Parkplatz, keine Range
| Zeit | Was | Details |
|---|---|---|
| 0:00 bis 3:00 | Mobilität | Ein kurzer Durchgang der Übungen: Marschieren, Beinschwingen, Drehen, Hüftbeuge |
| 3:00 bis 4:00 | Aufbauende Schwünge | 5 hüfthoch, 5 schulterhoch, 5 voll mit einem Eisen |
| 4:00 bis 5:00 | Schwünge für den ersten Abschlag | 3 Probeschwünge im Spieltempo mit dem Schläger für den ersten Abschlag, jeder mit deiner kompletten Pre-Shot-Routine |
Wenn du zwei Minuten mehr hast und das Putting-Grün auf dem Weg liegt, roll drei lange Putts.
15 Minuten: ein paar Bälle auf der Range und das Putting-Grün
| Zeit | Was | Details |
|---|---|---|
| 0:00 bis 4:00 | Mobilität | Alle Übungen aus der Tabelle |
| 4:00 bis 11:00 | Range, etwa 20 Bälle | 5 mit dem Wedge (zuerst halbe Schwünge), 5 mit dem Eisen 7, 4 mit Hybrid oder Fairwayholz, 3 mit dem Driver, 3 mit dem Schläger für den ersten Abschlag |
| 11:00 bis 15:00 | Putting-Grün | 6 lange Putts aus 9 bis 12 Metern für die Länge, dann 5 aus 1 Meter |
30 Minuten: Range und Putting-Grün
| Zeit | Was | Details |
|---|---|---|
| 0:00 bis 5:00 | Mobilität | Alle Übungen, langsam |
| 5:00 bis 20:00 | Range, 30 bis 40 Bälle | 8 Wedges (halb, dann dreiviertel, dann voll), 8 mit einem mittleren Eisen, 5 mit einem langen Eisen oder Hybrid, 5 mit dem Fairwayholz, 6 mit dem Driver, dann 3 mit dem Schläger für den ersten Abschlag, als stündest du schon am Tee |
| 20:00 bis 22:00 | Chippen, wenn der Club es erlaubt | 6 bis 8 Chips auf ein Loch, jedes Mal mit einem Landepunkt |
| 22:00 bis 30:00 | Putting-Grün | 4 Minuten lange Putts für die Länge, 2 Minuten Putts aus 1 bis 2 Metern, dann 5 hintereinander aus 1 Meter lochen |
Damit das alles passt, sei 40 Minuten vor deiner Startzeit im Club. Wenn du knapp dran bist, nimm lieber die 15-Minuten-Version.
Die Range: der Reihe nach, und keine Trainerstunde
Fang mit dem kürzesten Schläger an. Ein halber Schwung mit dem Wedge verlangt deinem Körper am wenigsten ab, und gute Treffer gelingen damit am leichtesten. Dann arbeite dich durch die Tasche, damit dein Tempo mit der Schlägerlänge wächst: Wedge, mittleres Eisen, langes Eisen oder Hybrid, Holz, Driver.
Hör mit dem Schläger auf, den du am ersten Abschlag spielst, ob Driver, Holz 3 oder ein Eisen. Schlag die letzten zwei oder drei Bälle genau so wie am Tee: Ziel aussuchen, Routine durchgehen, einen Ball schlagen, zurücktreten. So ist dein erster Schlag auf der Runde nicht der erste des Tages, den du ernst nimmst.
Such dir für jeden Ball ein Ziel, eine Fahne oder einen Pfosten statt der offenen Range. Und versuch nicht, eine Stunde vor der Runde deinen Schwung zu reparieren. Geht der Ball heute nach rechts, plan das ein und arbeite im Training daran. Nimm einen Schwunggedanken, dem du vertraust, und verwende ihn bei jedem Ball. Wenn du deine Schwunggedanken in Golf Journal hast, lies deine auf dem Weg zur Range noch einmal durch.
Das Putting-Grün: zuerst die Länge
Die Grüns sind von Platz zu Platz und von Tag zu Tag unterschiedlich schnell, und ein langer erster Putt, der weit vorbeirollt oder deutlich zu kurz bleibt, ist der Anfang der meisten Dreiputts. Fang deshalb mit langen Putts an.
- Lange Putts. Roll aus 9 bis 12 Metern drei Bälle an den Grünrand oder an ein Tee statt an ein Loch und versuch, jeden innerhalb eines halben Meters davon zu stoppen. Mach zwei oder drei Durchgänge aus verschiedenen Richtungen, bergauf und bergab.
- Mittlere Putts. Drei oder vier aus 4 bis 6 Metern auf ein Loch, immer noch mit dem Gedanken an die Länge.
- Kurze Putts. Zum Schluss aus 1 Meter ein paar hintereinander lochen, damit das Letzte, was du vor dem ersten Abschlag siehst, ein Ball im Loch ist.
Übungen, mit denen du zwischen den Runden am Putten arbeitest, findest du unter Putting-Übungen für zu Hause.
Notier, was funktioniert hat
Welches Aufwärmen zu dir passt, weißt du nur, wenn du aufschreibst, was du gemacht hast und wie du in die Runde gestartet bist. Notier nach der Runde ein, zwei Zeilen:
- Wie lange du dich aufgewärmt hast und welche Version.
- Wie die ersten drei Löcher liefen, denn dort zeigt sich das Aufwärmen.
- Welchen Schwunggedanken du hattest und ob er gehalten hat.
- Wie schnell die Grüns im Vergleich zum Übungsgrün waren.
- Was sich steif angefühlt hat und welche Übung geholfen hat.
Nach fünf oder sechs Runden erkennst du vielleicht ein Muster, zum Beispiel bessere Starts nach dem 15-Minuten-Programm oder einen gehetzten ersten Abschlag, wann immer du das Putting-Grün auslässt. In Golf Journal kannst du das in die Notizen der Runde schreiben oder das Aufwärmen mit dem Timer fürs Training als Trainingseinheit eintragen und deine Schwunggedanken dort pflegen. Was sich sonst noch aufzuschreiben lohnt, steht unter Golf-Tagebuch führen.
Für Tage, an denen du nicht auf den Platz kommst, hat Golf-Training zu Hause Übungen mit denselben Mobilitätsbewegungen und Schwunggedanken.
Häufige Fragen
Welche Aufwärmübungen sind gut für Golfer?
Übungen, die Hüfte, Rücken und Schultern durch den Bewegungsumfang des Schwungs führen: Beinschwingen, Ausfallschritte mit Rotation, Drehungen mit einem Schläger auf den Schultern, Armkreisen und halbe Schwünge, die bis zum vollen Schwung aufbauen. In Studien hat dynamisches Aufwärmen die Schlägerkopfgeschwindigkeit verbessert, statisches Dehnen nicht.
Sollte man sich vor dem Golf dehnen?
Ersetz lang gehaltene Dehnübungen durch Bewegung. Moran und Kollegen (2009) stellten fest, dass Golfer nach dynamischem Dehnen schneller schwangen als nach statischem Dehnen oder ganz ohne, und den Ball näher an der Schlagflächenmitte trafen als nach statischem Dehnen. Gergley und Austin (2009) stellten fest, dass 20 Minuten passives statisches Dehnen Schlägerkopfgeschwindigkeit, Weite und Genauigkeit mit dem Driver senkten, und der Rückgang war eine Stunde später noch messbar.
Wie lange sollte man sich vor einer Golfrunde aufwärmen?
Fünf Minuten Mobilität und Probeschwünge sind besser, als direkt zum Abschlag zu gehen. Mit fünfzehn Minuten hast du Zeit für etwa 20 Bälle und ein paar Putts. Dreißig reichen für Mobilität, einen Durchgang auf der Range vom Wedge bis zum Driver und eine ordentliche Zeit auf dem Putting-Grün.
Wie viele Bälle sollte man vor der Runde schlagen?
Genug, um deinen Rhythmus zu finden, nicht um deinen Schwung zu reparieren: etwa 20 bei einem kurzen Aufwärmen, 30 bis 40 bei einem längeren. Arbeite dich vom Wedge zum Driver hoch und hör mit dem Schläger auf, den du am ersten Abschlag spielst.
Kann ich mich ohne Driving Range aufwärmen?
Ja. Mach auf dem Parkplatz oder neben dem ersten Abschlag ein paar Minuten Mobilitätsübungen, dann Probeschwünge, die von Hüfthöhe bis zum vollen Tempo aufbauen, und zum Schluss ein paar Schwünge im Spieltempo mit dem Schläger für den ersten Abschlag. Wenn es ein Putting-Grün gibt, verbring die restliche Zeit mit langen Putts.
Beugt Aufwärmen Verletzungen beim Golf vor?
Das weiß bisher niemand. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2019 fand die Studien zu Aufwärmen und Golfverletzungen uneinheitlich und ohne klares Ergebnis. Aufwärmen bringt dich trotzdem in Bewegung, bevor du voll durchschwingst. Dieser Ratgeber ist keine medizinische Beratung. Bei Schmerzen oder einer Verletzung geh zum Arzt oder Physiotherapeuten.
Quellen
- Fradkin, Sherman and Finch: Improving golf performance with a warm up conditioning programme (British Journal of Sports Medicine, 2004)
- Moran, McGrath, Marshall and Wallace: Dynamic stretching and golf swing performance (International Journal of Sports Medicine, 2009)
- Gergley and Austin: Latent effect of passive static stretching on driver clubhead speed, distance, accuracy and solid contact in male competitive golfers (ACSM annual meeting, 2009; Zusammenfassung)
- Fradkin, Finch and Sherman: Warm up practices of golfers: are they adequate? (British Journal of Sports Medicine, 2001)
- Ehlert and Wilson: A systematic review of golf warm-ups: behaviors, injury, and performance (Journal of Strength and Conditioning Research, 2019)