Golf unter 100 spielen: ein Plan, der aufgeht
Kurz gesagt
Unter 100 heißt auf einem Par-72-Platz eine 99, also 27 über Par: ein Bogey auf jedem Loch plus neun Doppelbogeys. Ein Par brauchst du nicht. Deine Aufgabe: die hohen Zahlen vermeiden. Ball im Spiel halten, die Grünmitte anspielen, sicher zurück aufs Fairway, keine Dreiputts. Trainiere vor allem unter 90 Metern.
Die Rechnung hinter einer 99
Auf einem Par-72-Platz ist eine 99 genau 27 über Par. Ein Bogey auf jedem Loch ergibt 90. Neun Doppelbogeys dazu, und du stehst bei 99. Du kannst also unter 100 spielen, ohne ein einziges Par zu machen.
Die Rechnung zeigt auch, woher der Schaden kommt. Doppelbogeys kannst du dir leisten. Ein Triple-Bogey oder eine 9 auf einem Par 4 frisst Spielraum auf, den du an anderer Stelle eingeplant hattest. So können sich 18 Löcher zusammensetzen:
| Pars | Bogeys | Doppelbogeys | Triple-Bogeys | Über Par | Ergebnis auf Par 72 |
|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 9 | 9 | 0 | +27 | 99 |
| 2 | 5 | 11 | 0 | +27 | 99 |
| 3 | 3 | 12 | 0 | +27 | 99 |
| 0 | 12 | 5 | 1 | +25 | 97 |
| 1 | 10 | 5 | 2 | +26 | 98 |
| 0 | 12 | 3 | 3 | +27 | 99 |
| 0 | 0 | 18 | 0 | +36 | 108 |
Ein Par und ein Doppelbogey kosten so viel wie zwei Bogeys. Jedes Triple-Bogey musst du wieder hereinholen, indem du aus einem Doppelbogey ein Bogey machst. Eine Runde nur aus Doppelbogeys ergibt 108. Du musst also auf der Hälfte der Löcher Bogey spielen.
Auf einem Par-70-Platz sind es 29 über Par. Am Prinzip ändert das nichts.
Dein persönliches Par
Gib dir auf jedem Loch ein persönliches Par: einen Schlag mehr als auf der Scorekarte, und auf den neun schwersten Löchern (Lochvorgabe 1 bis 9) noch einen. Auf einem Par 72 ergibt das genau 99. Auf einem Par 70 sind es 97, also zwei Schläge Reserve. Eine 5 auf einem Par 4 mit Lochvorgabe 12 ist jetzt ein Par, eine 6 auf einem Par 4 mit Lochvorgabe 3 ebenfalls. Wer keinen Schlägen mehr hinterherjagt, die er gar nicht braucht, geht auch nicht mehr die Risiken ein, die zur 8 führen.
Strategie auf dem Platz
Laut Daten zu Amateurrunden, über die MyGolfSpy berichtet, schlagen Golfer, die meist über 100 spielen, pro Runde etwa acht Abschläge in echte Schwierigkeiten (Wasser, verlorene Bälle, Bäume) und haben im Schnitt etwa fünf Dreiputts. Das meiste davon hat mit der Schlägerwahl und der Längenkontrolle beim Putten zu tun, nicht mit deinem Schwung.
Ball im Spiel halten
Ein Ball im Aus oder ein verlorener Ball kostet nach den Golfregeln Schlag und Distanzverlust: ein Strafschlag, und du spielst noch einmal von dort, wo du zuletzt geschlagen hast. Dein nächster Abschlag ist also dein dritter Schlag. Auf einem Par 4 ist ein Bogey dann schon ein gutes Ergebnis.
Auf engen Löchern und auf Löchern, auf denen du schon einmal einen Ball verloren hast, bleibt der Driver in der Tasche. Nimm den Schläger, mit dem du am sichersten geradeaus spielst, oft ein Hybrid, ein Fairwayholz oder sogar ein Eisen 7. 165 Meter vor dem Grün auf dem Fairway sind besser als 130 Meter hinter einem Baum. Wenn du nicht genau weißt, wie weit du mit welchem Schläger kommst, gibt dir der Ratgeber von Golf Scout zu Schlägerweiten für Anfänger (auf Englisch) einen Anhaltspunkt.
Die Grünmitte anspielen
Fahnen hinter Bunkern oder direkt am Wasser sind für bessere Spieler gesteckt. Spiel bei jedem Annäherungsschlag auf die breiteste Stelle des Grüns. Auch wenn du die Mitte verfehlst, liegst du meist noch auf dem Grün und hast einen Putt. Verfehlst du auf der kurzen Seite, wartet oft ein Bunkerschlag über eine Kante.
Wenn du ein Grün mit zwei Schlägen nicht erreichst, versuch nicht, so nah wie möglich heranzukommen. Leg auf eine Entfernung vor, die dir liegt, etwa 60 oder 70 Meter, und pitch von dort aufs Grün.
Auf dem kürzesten Weg zurück
Zwischen Bäumen, im tiefen Rough oder in einem Fairwaybunker mit hoher Kante hast du nur eine Aufgabe: mit einem Schlag zurück aufs Fairway. Chip seitlich heraus, notfalls auch nach hinten, mit einem Schläger, mit dem du sicher durch die Lücke kommst. Der Heldenschlag durch ein kleines Loch im Geäst macht aus einem Bogey viel öfter ein Triple-Bogey als ein Par.
Bei Grünbunkern gilt dasselbe. Mit dem ersten Schlag raus und irgendwo aufs Grün: Das ist ein gutes Ergebnis.
Zwei Putts reichen
Bei langen Putts zuerst an die Länge denken, dann an die Linie. Der erste Putt sollte innerhalb einer Putterlänge vom Loch liegen bleiben. Ein 12-Meter-Putt, der 1,2 Meter vorbeirollt, ist ein misslungener Annäherungsputt, auch wenn die Linie perfekt war, denn der Rückputt ist alles andere als sicher.
Was du trainieren solltest
Die meisten Schläge, die du sparen kannst, liegen innerhalb von 90 Metern. In denselben Zahlen hat der typische Golfer über 100 pro Runde fast sechs Löcher, auf denen ein Schlag aus weniger als 70 Yards (etwa 65 Metern) das Grün nicht im ersten Versuch erreicht. Die meisten dieser Löcher kosten mindestens einen Schlag extra.
Wenn du eine Stunde hast, teil sie so auf:
| Zeit | Bereich | Übung | Ziel |
|---|---|---|---|
| 15 Min. | Lange Putts | 10 Bälle aus 9 Metern, dann 10 aus 12 Metern, auf verschiedene Löcher | 7 von 10 bleiben innerhalb einer Putterlänge liegen |
| 10 Min. | Kurze Putts | 6 Bälle im Kreis um ein Loch auf 1 Meter, dann 6 auf 1,5 Metern | Alle 12 lochen; bei einem Fehlversuch von vorn |
| 15 Min. | Chippen | 20 Chips vom Grünrand mit einem Schläger (Eisen 8 oder Pitching Wedge) | Landepunkt: ein Handtuch einen Meter aufs Grün hinein; 10 von 20 bleiben innerhalb von 2 Metern liegen |
| 10 Min. | Pitchen | Je 10 Bälle aus 30, 45 und 60 Metern | 20 von 30 auf dem Grün |
| 10 Min. | Bunker | 15 Bälle aus ebener Lage | 10 von 15 im ersten Versuch raus und aufs Grün |
Wenn Platz oder Range eine Autofahrt entfernt sind, ist eine solche Einheit pro Woche ein guter Anfang. Die kurzen Putts klappen auch auf dem Teppich zu Hause, und der Ratgeber Putting-Übungen für zu Hause hat weitere Übungen für die Abende zwischen den Runden.
Wenn du auf die Range gehst, schlag die Hälfte deiner Bälle mit dem Schläger, den du auf engen Löchern vom Abschlag nimmst. Such dir zwei Markierungen etwa eine Fairwaybreite auseinander, rund 30 Meter, und zähl, wie viele von 20 Bällen dazwischen liegen bleiben.
Zähl die Schläge, die du verschenkst
Schreib nach jeder Runde vier Zahlen auf:
- Strafschläge
- Dreiputts (oder mehr)
- Löcher mit Doppelbogey oder schlechter
- Chips und Pitches aus weniger als 65 Metern, die das Grün nicht erreicht haben
Schreib sie neben das Ergebnis. Nach drei oder vier Runden erkennst du das Muster. Eine 104 mit sechs Strafschlägen ist ein anderes Problem als eine 104 ohne Strafschläge und mit sieben Dreiputts, und sie braucht anderes Training.
Wenn du deine Runden in Golf Journal Loch für Loch einträgst, erfasst du auf jedem Loch Schläge, Putts, Fairway und Strafschläge, und die Scorekarte markiert deine Doppelbogeys. Du kannst „Unter 100“ als Ziel setzen (danach „Unter 90“ und „Unter 80“), und die Statistik zeigt dir, wie weit du noch davon entfernt bist und welche Löcher deine schwersten sind. Was du sonst noch aufschreiben solltest, steht im Ratgeber Golf-Tagebuch führen.
Fortschritt mit der Handicap-Schätzung prüfen
Ein Ergebnis allein sagt nichts darüber, wie schwer der Platz war. Ein Score Differential schon. Golf Journal berechnet eine Handicap-Schätzung nach der Formel des World Handicap System, und der Rechner Lower your handicap (auf Englisch) zeigt dir, welches Ergebnis du beim nächsten Mal brauchst, damit dein Wert sinkt. Für das Handicap wird jedes Loch bei Netto-Doppelbogey gekappt. Golf Scout erklärt das in seinem Ratgeber zu Net Double Bogey (auf Englisch). Es ist derselbe Gedanke wie beim persönlichen Par: den Schaden auf den schlechten Löchern begrenzen.
Häufige Fragen
Wie viele Golfer spielen unter 100?
Einen genauen Anteil veröffentlicht niemand, aber die Zahlen der National Golf Foundation aus den USA (2024) geben einen guten Anhaltspunkt. Amerikanische Golfer, die ihre Schläge zählen, geben im Schnitt 94 an, und fast jeder Zehnte sagt, er spiele regelmäßig unter 80. Die NGF schreibt dazu, dass der echte Durchschnitt wahrscheinlich näher an 100 liegt, weil viele Gelegenheitsgolfer gar nicht zählen und mehr als die Hälfte Mulligans, geschenkte Putts und Ähnliches zugibt. Mit einer 99, bei der jeder Schlag gezählt ist, liegst du also ungefähr im Mittelfeld aller Golfer.
Was heißt es, die 100 zu knacken?
18 Löcher mit 99 Schlägen oder weniger, jeder Schlag und jeder Strafschlag nach den Golfregeln gezählt. Keine Mulligans, keine geschenkten Putts und kein neuer Ball dort, wo der alte verschwunden ist, ohne den Strafschlag dazuzurechnen. Gemeint ist meist ein normaler 18-Loch-Platz mit Par 70 bis 72.
Welches Handicap braucht man, um unter 100 zu spielen?
Eine feste Zahl gibt es nicht, weil es vom Platz abhängt. Ein ausgedachtes Beispiel: ein Platz mit Course Rating 70,0 und Slope 125. Im World Handicap System ist das Score Differential 113 geteilt durch den Slope, mal bereinigtes Bruttoergebnis minus Course Rating. Eine 99 dort (kein Loch schlechter als Netto-Doppelbogey, keine Anpassung an die Spielbedingungen) ergibt 113 ÷ 125 × 29 = 26,2. Der Handicap-Index ist der Durchschnitt der besten 8 deiner letzten 20 Differentials. Wer dort ab und zu unter 100 spielt, liegt also meist etwas über 26, wer es fast jede Woche schafft, darunter. Golf Journal und die Rechner auf dieser Seite geben dir eine Handicap-Schätzung nach derselben Formel. Deinen offiziellen Handicap-Index bekommst du über deinen Golfclub.
Brauche ich neue Schläger, um unter 100 zu spielen?
Meistens nicht. Die meisten Schläge zwischen dir und der 99 sind Strafschläge, verpatzte Chips und Dreiputts, und dagegen hilft kein neuer Driver. Ein Hybrid oder Fairwayholz, das du vom Abschlag gerade triffst, und ein Sand Wedge mit etwas Bounce für die Bunker bringen deinem Ergebnis mehr.
Wie spiele ich regelmäßig unter 100?
Spiel jede Runde mit derselben vorsichtigen Strategie, nicht nur an guten Tagen. Zähl nach jeder Runde deine Strafschläge, Dreiputts, Löcher mit Doppelbogey oder schlechter und die kurzen Schläge, die das Grün verfehlt haben, und trainiere das, was dich am meisten kostet. Wenn diese Zahlen sinken, werden deine schlechten Runden besser, und eine 99 ist kein Zufall mehr.